Legal AI ist in vieler Juristen* und Investoren Munde. Doch wie weit ist das Thema wirklich? Das Legal AI Use Case Radar 2025 der TU-München bringt Licht ins Dunkel. Im Kern kann man sagen: Vieles befindet sich noch in experimentellem Stadium. Einiges dürfte bis auf Weiteres Zukunftsmusik sein und bleiben. Aber: Die Bedeutung von Legal AI wächst!
Worum geht es?
In einem LinkedIn-Beitrag hat Nico Kuhlmann (Rechtsanwalt bei Hogan Lovells) auf die Ergebnisse des Legal AI Use Case Radars 2025 der TU-München hingewiesen und diese kommentiert. Die Ergebnisse bringen Ernüchterung in einen gehypten Markt.
Zunächst einige Links:
- LinkedIn-Beitrag von Nico Kuhlmann
- Link zum Legal AI Use Case Radar der TUM
- Link zum Sebis-Team, um Prof. Florian Matthes das den Report erstellt hat.

Die gesamte Website des Legal AI Radars sei hier als Lesetipp empfohlen: Hier gibt es viele spannende Insights!
Was sagt Nico Kuhlmann?
Der Wortlaut des Beitrags von Nico Kuhlmann wird an dieser Stelle zuerst in automatisierter Übersetzung durch LinkedIn unkommentiert wiedergegeben. Jeder Leser kann und sollte sich selbst zu den Aussagen Gedanken machen:
„Jetzt habe ich es auch endlich einmal geschafft, in den neuen „Legal AI Use Case Radar Report“ für 2025 von Florian Matthes von der Technische Universität München reinzuschauen.
Folgende Aussagen in Bezug auf Hashtag#LegalAI fand ich interessant, die ich im Großen und Ganzen alle so unterschreiben würde und die sich mit meiner Wahrnehmung des Markts decken:
💠 „Unsere Analyse zeigt, dass die derzeitige Nutzung von Legal AI durch Juristen in der Regel in Form von Experimenten und nicht im Rahmen definierter Prozesse erfolgt. Während viele berichteten, dass sie die zunehmende Akzeptanz wahrnahmen, räumten sie ein, dass dies immer noch weitgehend für diejenigen zutraf, die mit den Tools experimentierten, was jedoch nicht unbedingt auf eine „offizielle“ Einführung durch Unternehmen hindeutete, d. h. über unternehmensweite Top-down-Richtlinien.“
💠 „Darüber hinaus haben wir keine Berichte darüber erhalten, dass neue Rollen ausschließlich zum Zweck der Rechts-KI geschaffen wurden. Stattdessen wurde die überwiegende Mehrheit der gemeldeten Nutzung von bestehenden Mitarbeitern durchgeführt, die mit neuen Tools experimentieren wollten.“
💠 „Wir erhielten Berichte über die Verwendung vieler verschiedener Tools, von ChatGPT und Gemini bis hin zu spezielleren Tools wie Copilot oder Harvey. Trotz dieser Vielzahl von Auswahlmöglichkeiten teilten viele Juristen jedoch auch das Gefühl, dass es derzeit keine Branchenstandards oder eine Vereinheitlichung gibt, wenn es um die Wahl der Tools geht – wie ein Befragter es ausdrückt, keine „Google-Suche“ für juristische KI.“
💠 „Sogenannte „Unterstützungsinstrumente“ werden als rechtlich relevanter wahrgenommen als solche, die eine Entscheidungsfindung beinhalten, und die wahrgenommene Risikobereitschaft scheint negativ mit der Relevanz zu korrelieren.“
Hier der vollständige Report:“
Welche Relevanz hat die Bewertung?
Zunächst ist es immer wieder gut, wenn relevante Veröffentlichungen wie das Legal AI Radar 2025 über soziale Medien wie LinkedIn verbreitet werden:
- Eine solche Studie kann trotz ihrer hohen Relevanz schnell übersehen werden.
- Gut ist auch, dass ein Rechtspraktiker, der in einer anerkannten, international tätigen Kanzlei arbeitet, die Studienergebnisse auf Basis eigener Erfahrungen öffentlich bestätigt.
- Immerhin handelt es sich um primär um eine Literaturauswertung. Feedback aus der Praxis hilft zusätzlich, die Ergebnisse einzuordnen.
Die Kombi von Studie und Praxis-Feedback verdeutlicht:
- Legal AI ist bei Unis und Kanzleien „auf dem Radar“.
- Beide wollen wissen: „Was funktioniert? Was nicht?“
- Sie ergänzen sich zur Frage: „Wie weit ist Legal AI wirklich?“
Was besagt das Legal AI Use Case Radar?
Noch einmal kurz zusammengefaßt, was das Legal AI Radar ausgewertet hat. Es sind 988 Quellen mit verschiedenen Schwerpunkten, u.a.:
- Rechtsrecherche & Informationsmanagement (27,5 %)
- Informationsverarbeitung & -extraktion (26,8 %)
- Dokumentenanalyse & -klassifikation (17,3 %)
- Entscheidungsfindung/Dispute Resolution (13 %)

Dabei wurden (auch) neue Use Cases identifiziert:
- Legal Corpus Creation (Schaffung verlässlicher Datenbasis)
- Legal Language Interpretation (Mehrdeutigkeit juristischer Begriffe)
Es wurden Technologien und ihre Nutzung quantifiziert:
- Textrepräsentation & Textklassifikation dominieren
- eher geringe Nutzung klassischer Syntax-Analysen
- Fokus auf LLMs, Generierung und Informationsextraktion
Zudem werden Trends beleuchtet:
- Alle Use Cases wachsen
- besonders stark Legal Corpus Creation
- und Dokumentenklassifikation
Insgesamt zeigt der Report:
- Unterstützende Legal-AI-Tools setzen sich durch, während „entscheidende“ AI (die Sachverhalte rechtlich bewertet), nach wie vor zu riskant und unreif ist.
- Forschung und Praxis entwickeln sich parallel, aber mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Was sagt die Studie zur Juristischen Ausbildung?
Im Kontext des Skripts „Grundwissen KI-Recht“ soll ein Hinweis bzw. eine Einschätzung der Studie hervorgehoben werden. Es geht dabei um die juristische Ausbildung im KI-Zeitalter. Aus dem englischen maschinell übersetzt heißt es auf Seite 12:
„Ein letzter wiederkehrender Punkt ist nicht unbedingt eine Herausforderung, sondern eher ein wahrgenommener Mangel. Er bezieht sich auf die mangelnde Einbeziehung von Legal AI in die aktuellen Lehrpläne der juristischen Ausbildung. Einige Praktiker sind der Meinung, dass ohne eine solche Einbeziehung eine schnellere und fundiertere Einführung von Legal AI nicht möglich sein wird, da das juristische Denken weiterhin auf den Status quo der Arbeitsabläufe in der Rechtsbranche zurückfällt. Daher wurde die Modernisierung der Standardlehrpläne in der Ausbildung als wichtiger Punkt für die Zukunft angesehen, der dazu beitragen könnte, Legal AI als nützliches und wertvolles Hilfsmittel bei der Ausübung juristischer Tätigkeiten zu etablieren.“
Die Relevanz dieses Aspekts soll auch hier noch einmal unterstrichen werden. Und zwar aus einem Grund, der mit einem anderen Lesetipp dieses Blogs in direktem Zusammenhang steht – RegTech, ein Use Case der ebenfalls unter Legal AI fällt, verursacht u.a. aufgrund unsachgemäßer Nutzung besonders viele Compliance-Verstöße:
Dies führt nach der hier vertretenen Auffassung dazu, dass auch und gerade bei Legal AI die unter Art. 3 Nr. 56 und Art 4 EU AI Act thematisierte Vermittlung von KI-Kompetenz von hoher praktischer Bedeutung ist. Je früher man sie erwirbt, desto besser. Und für die juristische Ausbildung bedeutet dies, dass in Angesicht der zunehmenden Verbreitung von Legal AI gar nicht früh genug damit begonnen werden kann, KI-Kompetenz zu vermitteln.
Fazit:
Das Legal AI Radar 2025 ist eine interessante Informationsquelle zur Nutzung von Legal AI. Wesentliche Ergebnisse wie der experimentelle Status werden von einem Praktiker bestätigt. Übergreifende Standards fehlen. Aber auch die „menschliche“ Komponente stellt eine Herausforderung dar: Oft wird das Thema bottom-up durch Einzelpersonen vorangetrieben. Die juristische Ausbildung sollte eine den Trends entsprechende, praxisgerechte Unterstützung zu forcieren, denn: Das Thema gewinnt trotz aller Herausforderungen rasant an Bedeutung!
Bezug zum Skript „Grundwissen-KI-Recht“: Übergreifend
Inhalte des Beitrags, u.a.:
- Legal AI Use Case Radar
- RegTech und LegalTech
- Status quo und Ausblick
- Relevanz für die Ausbildung
* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Text die männliche Form verwendet, die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen.
