Wie sehen Methoden und Best Practices für AI-Governance in der Praxis aus? Welche interdisziplinären Skills erfordern sie bei Juristen*? Um einen diesbezüglichen Eindruck zu gewinnen, eignen sich die Angebote von appliedAI. Nachfolgend zwei Beispiele aus der Praxis für die Praxis mit rechtlichem Schwerpunkt.
Worum geht es?
Welche Aufgaben müssen mit KI-Recht in der Praxis gelöst werden? Wie sehen diesbezügliche Arbeitswerkzeuge aus? Welche Fähigkeiten benötigt man für ihre Anwendung? Nachfolgend zwei Beispiele von appliedAI. Sie verdeutlichen, wie an der Schnittstelle von Recht und KI in der Praxis gearbeitet wird:
- Beispiel 1 ist die „EU AI Act Compliance Journey“ des appliedAI Institutes in Heilbronn. Das diesbezügliche Template kann in englischer Sprache als PDF downgeloaded werden.
- Beispiel 2 ist der Praxisratgeber AI Act Governance – Best Practices for Implementing the EU AI Act der appliedAI Initiative in München. Das Dokument enthält konkrete Best Practices für AI-Compliance aus der Wirtschaft. Es kann ebenfalls in englischer Sprache als PDF downgeloaded werden
Wer genau liest, stellt fest:
- Es gibt zwei Organisationen mit dem Namen „appliedAI“ – ein Institut und eine Initiative.
- Werfen wir zunächst einen kurzen Blick auf den nachfolgenden Screenshot, um zu erahnen, um wen oder was es sich bei der appliedAI Initiative handelt:

Der Screenshot von unternehmerTUM macht klar:
- appliedAI ist nicht „irgendwer“ – egal ob als Institut oder Initiative. An beiden Standorten wird mit hochkarätigen Organisationen interdisziplinär an der Implementierung vertrauenswürdiger Künstlicher Intelligenz gearbeitet.
- Das KI-Recht ist in beiden Bereichen ein wichtiger Erfolgsfaktor. Daher wurden und werden sowohl vom appliedAI-Institut als auch von der appliedAI-Initative regelmäßig anwendungsbezogene Unterlagen erstellt. Insbesondere für Konzerne, Mittelständler und StartUps.
- Die beiden nachfolgend näher beleuchteten Beispiele verdeutlichen, wie Recht im KI-Kontext methodisch und interdiziplinär angewendet wird bzw. welche Best Practices es gibt, die für Juristen von Relevanz sind.
Und: Die Unterlagen verdeutlichen auch die rasant ansteigende Relevanz folgender Frage …
… wie sollten Juristen fachlich aufgestellt sein, wenn sie bei KI-Themen operativ mitarbeiten?
Die nachfolgenden Unterlegen lassen ahnen, dass gerade das KI-Recht ein hohes Maß an Interdisziplinarität erfordert. Nicht erst in Zukunft, sondern schon heute. Ganz einfach deshalb, weil es schon jetzt ein „must-have-Faktor“ vieler Mandanten ist.
1. Was verdeutlicht die Journey?

Beginnen wir mit der EU AI Act Compliance Journey des appliedAI Instituts. Ihre Inhalte können unter den folgenden URLs eingesehen werden:
- Projektseite & Beschreibung: Zunächst sollte man sich unter diesem Link die Intro-Website zur Compliance Journey anschauen. Sie beschreibt Ziele und Nutzen des Angebots.
- PDF-Dokument: Auf der Site befindet sich auch dieser weiterführende Link zum freien Download des Journey-PDFs. Das PDF läßt bereits auf den ersten Blick ahnen, dass es sich hier tatsächlich um eine „Reise“ handelt. An ihr wirken verschiedene Akteure mit unterschiedlichen Fähigkeiten mit, um das Ziel zu erreichen.
Entsprechende Journeys erfordern die Teilnahme von unterschiedlichen Experten, die gemeinsam an einem Seil ziehen müssen: Fachbereiche, Technik, Compliance und häufig auch Anwender. Schritt für Schritt gilt es, die einzelnen Punkte für jedes KI-System interativ zu prüfen – und zwar nicht im „Old-School-Format“ allein am Schreibtisch. Das Prinzip einer Journey macht deutlich, dass man am besten einen (moderierten) Workshop durchführt. Juristen sind dabei wichtig – aber sie sind ebenso wie alle anderen Teilnehmer auf iterativen und interdisziplinären Austausch angewiesen. Keiner kommt hier allein ans Ziel!
Daher die erste Empfehlung für (angehende) KI-Juristen:
- Um in entsprechenden Journeys Mehrwerte zu bringen, sollte man nicht nur Gesetze kennen, sondern auch mit agilen Arbeitsweisen und Workshop-Techniken vertraut sein.
- KI-Recht erfordert in vieler Hinsicht ein „agiles Mindset“ und „Innovationspirit“. Hinzu kommt die Bereitschaft zu Trial and Error: Bevor finale Ergebnisse vorliegen, müssen oft mehrfach Schleifen gedreht und Sackgassen verlassen werden.
- KI-Juristen sind dabei nicht nur als Rechtsexperten, sondern auch (!) als kreative Enabler und Teamplayer gefordert. Sie müssen aktiv dabei helfen, rechtskonforme KI-Lösungen zu erarbeiten und mitzugestalten.
Diese Fähigkeiten sind nicht schwer zu erlernen. Man muss es nur wollen – und unter realistischen Bedingungen kontinuierlich einüben!
2. Was zeigen die Best Practices?

Werfen wir nun einen Blick auf das Best Practice Dokument der appliedAI Initiative. Dessen Inhalte können unter den folgenden beiden URLs eingesehen werden:
- Projektseite & Beschreibung: Auch hier sollte man sich zunächst unter diesem Link die (englische) Intro-Website anschauen. Sie beschreibt Ziele und Nutzen des Dokuments. Am Ende findet sich eine beeindruckende Liste namhafter Unternehmen, die an der Erstellung teilgenommen haben.
- PDF-Dokument: Auf der Intro-Site befindet sich ein Formular zum freien Download des Best-Practice-PDFs. Das Dokument umfaßt 60 aufschlussreiche Seiten. Darin enthalten ist u.a. eine Beschreibung des AI Act Governance Pyramid Framework. Es basiert auf der Kombination unterschiedlicher Governance-Layer (siehe Bild oben).
Das Wort „Layer“ verdeutlicht, was in der Welt der KI wichtig ist: Es ist schlicht die Kenntnis von Begriffen, wie sie im Bereich Digitalisierung, IT und KI typisch sind. Auch das Verständnis von „Templates“ ist so ein Fall oder „Deployment“. Begriffssicherheit ist ein kleiner, aber entscheidender Erfolgsfaktor. Ein einziges Dokument wie diese kann helfen, viele wesentliche Begriffe der KI-Welt in Grundzügen zu verstehen. Es ist kein Hexenwerk.
Das Schöne an dem Dokument sind auch die vielen Statements aus der Wirtschaft bzw. den Organisationen, welche die im Dokument beschriebenen Tools nutzen, um KI rechtskonform zu nutzen. Nachfolgend ein Screenshot mit einem Zitat von Giesecke & Devrient, das zugleich auf die Thesen zur Compliance Journey einzahlt. Die Message: Ohne cross-funktionale Kollaboration geht es nicht!

Sobald man in die Komplexität von KI eintaucht, wird deutlich, weshalb sie auch das Betreuen zivilrechtlicher Fälle verändern dürfte. Künftig hat nämlich irgendwie alles mit KI zu tun: Wer als Jurist haftungsrechtliche, arbeitsrechtliche oder gewährleistungsrechtliche Fragen zu beurteilen hat, derjenige wird in vielen Fällen gefordert sein, sich selbst bei Verbraucherthemen in KI-bezogene Gedankengebäude einzudenken. Ein KI-Expertenlevel ist für Juristen nicht notwendig. Ein „Dummy-Level“ reicht jedoch kaum aus, um zu beurteilen, wie Haftungsregelungen in Arbeitsverträgen formuliert sein müssen oder wie das Einhalten von Sorgfaltspflichten beurteilt werden kann! KI macht keinen Halt vor dem juristischen Brot und Butter-Geschäft. Nicht das nur Recht ändert sich durch KI. Es ist vor allem die rechtlich zu bewältigende Lebenswirklichkeit.

Damit zur zweiten Empfehlung für alle (angehenden) KI-Juristen:
- Die Juristische Ausbildung befähigt ganz allgemein zur Durchdringung und Strukturierung von z.T. hoch komplexen Lebenssachverhalten. Das ist auch in der Welt der KI ein wichtiges Asset. Man muss diesen Wert aber mitunter erst erkennen.
- Das allein ist aber nicht genug! Die Welt der KI erfordert auch die Fähigkeit, technisch-organisatorische Zusammenhänge zumindest in Grundzügen zu verstehen. Zugleich sollten verschiedene Sprachebenen beherrscht werden. Um ein GPAI-Modell von einem KI-System oder einem GPAI-System zu unterscheiden, reicht die Kenntnis der KI-Verordnung allein jedenfalls nicht unbedingt aus!
- Juristen sollten sich daher der folgenden Tatsache bewußt sein: Sie können im KI-Kontext wertvolle „Übersetzer“ sein, wenn sie eine zweite „technische Fremdsprache“ zumindest in Grundzügen beherrschen. Oft reicht die Kenntnis von Schlüsselbegriffen und Prozessen, um deutliche Mehrwerte zu generieren.
All das kann mit vielen kleinen, aber kontinuierlichen Schritten relativ einfach erlernt werden. Es ist weniger eine Frage der Intelligenz. Wer ein Juraexamen ablegen kann, bringt davon genug mit. Wichtiger sind Interesse – und Kontinuität. Viele kleine Schritte führen bei Interdisziplinarität eher zum Ziel als Hau-Ruck-Aktionen.
Wer sich als Jurist interdisziplinär aufstellt, bringt in der Welt der KI viele Mehrwerte. Und schafft sich damit zugleich eine langfristige Zukunftsperspektive!
Fazit:
Der Beitrag hat zwei Compliance-Beispiele aus der Praxis vorgestellt. Sie lassen ahnen, welche große Bedeutung interdisziplinär aufgestellte Juristen im KI-Kontext besitzen – schon jetzt! Das Feld der KI bietet für sie große Chancen. Je früher man beginnt, sich interdisziplinäre Skills anzueignen, desto besser!
Bezug zum Skript „Grundwissen-KI-Recht“: Kapitel 2
Inhalte des Beitrags, u.a.:
- Praxisbeispiele
- AI-Governance
- Agile Methoden
- Best Practices
- appliedAI
* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Text die männliche Form verwendet, die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen.
